Elternwissen kompakt: Den Nachwuchs richtig absichern

Eingestellt am: 13.3.2015

Autor: Kilian Fromeyer

Kündigt sich Nachwuchs an, stellt das das Leben der werdenden Eltern meist komplett auf den Kopf. Windeln wechseln, Fläschchen zubereiten und auch in den Nachtstunden Schlaflieder singen – ab sofort steht das Kind im Mittelpunkt. Neben diesen Veränderungen des gewohnten Lebensrhythmus stehen Eltern aber noch vor einer ganz anderen Herausforderung: Absicherung und Vorsorge für den Nachwuchs.

In diesem Zusammenhang tauchen auf einmal viele Fragen auf, mit denen man sich bisher oft nur sporadisch beschäftigt hat: Ist unser Versicherungsschutz ausreichend bzw. muss dieser ausgeweitet werden? Welche Versicherungs- und Vorsorgelösungen gibt es überhaupt und welche davon sind wirklich geeignet? Sollen wir jetzt schon anfangen, Geld für Führerschein und die erste eigene Wohnung zurückzulegen? Wie sparen wir sinnvoll für unseren Nachwuchs? Und ab wann macht welche Absicherung überhaupt Sinn?

Zusammen mit Frau Dr. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und Frau Bianca Boss vom Bund der Versicherten e. V. (BdV) durchleuchten wir das komplexe Thema der Absicherung und Vorsorge für den Nachwuchs und geben wichtige Tipps.


Altersabschnitt: Geburt bis 3 Jahre

Absicherung und Vorsorge – Themen, die mit der Aufregung vor der Geburt und der Vorfreude auf den Nachwuchs schnell in den Hintergrund rücken. Dabei ist es gerade jetzt umso wichtiger, die richtigen Entscheidungen zu treffen, denn Sie als Eltern stellen damit in den ersten Lebensmonaten die Weichen für den weiteren Lebensweg. Für Ihr Kind besonders wichtig sind zunächst

  • ein optimaler Krankenschutz und
  • die Invaliditätsvorsorge.
Parallel müssen Sie daran denken, das Familieneinkommen und die Haushaltskasse gegen alle Eventualitäten abzusichern. Auch beim Thema Sparen ist genau jetzt der beste Zeitpunkt, um die ersten Euro auf die Seite zu legen.

vergleichen.net im Gespräch mit Bianca Boss (BdV)

vergleichen.net: „Erwerbsunfähigkeits- und Berufsunfähigkeitsversicherung, Dread-Desease-Versicherung oder Grundfähigkeitstarife und Unfallversicherung – zur Absicherung des Einkommensträgers bietet die Branche eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Lösungen an. Welche machen aus Ihrer Sicht für Familien Sinn und was ist unnötig?“

Bianca Boss: „In Ihrer Frage steckt bereits einer der wichtigsten Aspekte. Jeder Berufstätige im Haushalt sollte sich absichern. Damit meine ich nicht nur den eigentlichen Einkommensträger, auch die Hausfrau und Mutter sollte an eine entsprechende Absicherung denken. Gerade diesen letzten Aspekt vergessen viele Familien. Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört für Vater und Mutter zu den wichtigsten Versicherungen.

Leider ist der Abschluss ein steiniger Weg, da auf der einen Seite Gesundheitsfragen durch die Antragsteller zu beantworten sind. Auf der anderen Seite hat die Versicherungswirtschaft nicht für alle Berufe das gleiche Interesse für den Abschluss. Ein weiterer Punkt betrifft die Kosten. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist teuer, was eine Integration dieser essenziellen Absicherung in den Familienversicherungsschutz für viele Haushalte schwierig macht. Dennoch erachte ich die Berufsunfähigkeitsversicherung als besonders wichtiges Instrument. Ohne die Leistung der Versicherung besteht im Ernstfall sogar die Gefahr, dass Familien mit den Elementen der Grundsicherung – sprich Hartz IV – konfrontiert werden.

Die anderen Versicherungen – als Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Dread-Disease-Versicherung, Grundfähigkeitstarife und Unfallversicherung – stellen dagegen weitgehend Ausschnittdeckungen dar. Leistungen fließen nur beim Eintritt der vorgesehenen Situationen. Ist beispielsweise durch eine Krebserkrankung keine der Grundfähigkeiten beeinträchtigt, erhält der Versicherte auch keinerlei Leistungen. Das Problem bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist dagegen die Tatsache, dass hier Leistungen nur fließen, wenn wirklich keine Möglichkeit der Erwerbsfähigkeit besteht. Für Familien besteht das Grundinteresse aber darin, den Ausfall aus dem zuletzt ausgeübten Beruf abzusichern.

Erschwerend kommt bei der Frage nach der Vorsorge gegen Berufsunfähigkeit hinzu, dass die Fülle an Tarifen und versicherungsrechtliche Fallstricke die Entscheidung für den passenden Tarif schwierig machen. Kompetenter Rat über wichtige Eckpunkte bei Verbraucherzentralen, behördlich zugelassenen Beratern oder uns, den Bund der Versicherten, ist daher unbedingt zu empfehlen. Ich würde immer zur BU-Versicherung raten. Sollte dieser Schutz – warum auch immer – nicht zu bekommen sein, hilft eine Beratung bei den genannten Stellen.“

vergleichen.net: „Der Schutz gegen Berufsunfähigkeit wird z.B. seitens der Verbraucherschützer immer wieder hervorgehoben. Wie hoch sollte die Versicherungssumme in jedem Fall sein?“

Bianca Boss: „Hier kommt es in erster Linie auf den individuellen Bedarf für den Fall der Berufsunfähigkeit an. Daher kann jede Familie diese Frage nur für sich selbst beantworten. Auf unseren Seiten finden Verbraucher ein kostenloses Tool, mit dem sich der Bedarf ermitteln lässt. Neben Lebenshaltungskosten und Versicherungsbeiträgen sind Kreditverpflichtungen – etwa fürs Eigenheim – oder die Ausbildung der Kinder im Bedarf zu berücksichtigen. Aus diesen Zahlen ergibt sich letztlich die mindestens abzusichernde Summe.

Leider gibt es vom Staat in dieser Situation nur unzureichende Hilfen – wie im Rahmen der Erwerbsminderungsrente. Es ist daher unbedingt nötig, privat vorzusorgen und die Ausgaben für den Haushalt abzusichern. Hinzu kommt hier aber noch ein weiterer Aspekt: steigende Lebenshaltungskosten. Aufgrund dessen ist der Einschluss einer Dynamik in den BU-Schutz durchaus sinnvoll, um die Inflation auszugleichen. An dieser Stelle muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass der umfassende Schutz Geld kostet. 80 Euro bis 100 Euro Beitrag pro Monat sind selbst für viele Familien aus dem mittleren Einkommenssegment im ersten Moment eine bittere Pille. Allerdings muss man auch festhalten, dass es hierbei um die Absicherung existenzieller Risiken geht. Absicherungen für Sachwerte, die heute so beliebt sind, können dagegen hintenanstehen – sie treffen Familien selten in ihrer Existenz.“

vergleichen.net: „Leider kommt es mitunter vor, dass ein Elternteil bis zur Volljährigkeit der Kinder verstirbt. Können Sie Familien Tipps geben, in welchem Umfang hierfür Vorsorge zu betreiben ist?“

Bianca Boss: „Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Absicherung von Berufsunfähigkeit und Todesfall miteinander zu kombinieren. Gerade als junger Erwachsener und Berufseinsteiger steht letztgenanntes Risiko nicht unbedingt im Vordergrund. Wenn Kinder und hohe finanzielle Verbindlichkeiten im Leben auftauchen, ist die Absicherung über eine Risikolebensversicherung sinnvoll.

Hinsichtlich der Versicherungssumme muss wieder der individuelle Bedarf herangezogen werden. Es taucht unter anderem die Frage auf, was im Fall des Ablebens der Mutter passiert. Hier wäre beispielsweise die Kinderbetreuung zu sichern oder die Haushaltsführung. Fällt der Einkommensträger aus, muss im Mittelpunkt stehen, wie die laufenden Kosten weiterhin gedeckt werden. Es kann so schnell zu Summen von 300.000 Euro – oder mehr kommen.

Den immer wieder beliebten Ratschlag pauschaler Versicherungssummen anhand des Bruttoeinkommens halte ich für nicht praktikabel bzw. rate davon sogar ab. Hier laufen Familien schnell Gefahr einer zu niedrigen Absicherung, da der tatsächliche Bedarf meist überraschend höher ist.“

vergleichen.net: „Die Teilnahme am Straßenverkehr, das Toben im Garten – schnell ist Kindern hier etwas passiert. Welche Möglichkeiten sind Ihrer Meinung nach für die Risikovorsorge unbedingt ins Auge zu fassen?“

Bianca Boss: „Generell sollte eine Absicherung in allen Lebensbereichen erfolgen, da Kinder nicht nur im Straßenverkehr gefährdet sind. Auch im Haushalt ergeben sich viele Gefahren, Kinder fallen Treppen hinunter oder stürzen vom Stuhl. Um hierfür ein solides Sicherheitsnetz aufzuspannen, wäre über eine Unfallversicherung für Kinder nachzudenken.

Einen noch breiteren Versicherungsschutz bietet die Kinderinvaliditätsversicherung, die Unfall und Krankheit einschließt. Allerdings ist hier das Problem in der Tatsache zu suchen, dass hohe Versicherungssummen heutzutage meist nicht versicherbar sind. Darüber hinaus kann der Schutz durch die Kinderinvaliditätsversicherung deutlich teurer sein als im Vergleich zur Unfallversicherung – um den Faktor 5 bis 6. Ist dies finanziell nicht machbar, sollte aber zumindest an den Unfallschutz gedacht werden.“

vergleichen.net: „An was müssen junge Familien denken, wenn es um den soliden Schutz der eigenen vier Wände und der Haushaltskasse geht?“

Bianca Boss: „Je nach Lebenssituation müssen unterschiedliche Absicherungen sein. Wer Eigenheimbesitzer ist, wird mit einer Wohngebäudeversicherung gut beraten sein. Viele Banken werden diesen Schutz – zumindest im Zusammenhang mit Feuerschäden – wahrscheinlich eh zur Bedingung machen. Sturm und Leitungswasser sollten aber ebenfalls noch dazugehören.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Privathaftpflicht, welche aus meiner Sicht ebenfalls zu den wichtigen Versicherungen gehört. Diese schützt Eltern und Kinder dann, wenn Dritten ein Schaden zugefügt wird. Eine Hausratversicherung (Feuer, Sturm und Hagel, Leitungswasser und Diebstahl) kann ebenfalls in Betracht gezogen werden. Letztere darf aber gegenüber BU-Versicherung und Kinderunfallschutz hinten angestellt werden, da es sich hierbei um eine Sachversicherung ohne existenziellen Charakter handelt. Auch wenn der Ersatz von Sachwerten auf den ersten Blick schwierig scheint – wichtiger sind in erster Linie die existenziellen Risikobereiche. Wo es sich finanzieren lässt, ist aber auch die Hausratversicherung sinnvoll.“

vergleichen.net im Gespräch mit Dr. Annabel Oelmann (Verbraucherzentrale NRW)

vergleichen.net: „Viele Eltern wollen ihrem Nachwuchs nicht nur eine gute Erziehung mit auf den Weg geben, sondern auch finanziell vorsorgen. Beim Thema Sparen sind die Möglichkeiten in den letzten Jahren immer unübersichtlicher geworden. Was können Sie Eltern raten, die keine zu großen Risiken eingehen und mit übersichtlichem Startkapital und kleinen Sparraten arbeiten wollen?“

Dr. Annabel Oelmann: „Wer für seine Kinder oder Enkelkinder Geld anlegen möchte, fährt mit komplexen und komplizierten Produkten sicher nicht besser. Wer eher
sicherheitsorientiert ist, schließt für das Kind einen Banksparplan ab. Wer ein
wenig risikobereiter ist, schließt einen Fondssparplan ab. Gerade bei einer längeren Laufzeit von mindestens 10 Jahren können Aktienfonds eine interessante Alternative sein.“

vergleichen.net: „Sparbuch & Co. – Kapitalanlagen, die seit Jahren immer weniger einbringen. Halten Sie aus Sicht der Eltern und Großeltern die Alternative Bonussparen für sinnvoll oder ist hier mit bösen Überraschungen zu rechnen?“

Dr. Annabel Oelmann: „Wer sicherheitsorientiert ist, für den sind Banksparpläne die erste Wahl. Hier sollte man vor einem Abschluss genau schauen, wie hoch die Grundverzinsung ist, ob diese variabel ist und sich einem veränderten Zinsniveau anpasst und unter
welchen Voraussetzungen ein Bonuszins gezahlt wird. Die tatsächliche durchschnittliche Rendite liegt bei vielen Bonuszinsangeboten kaum höher als bei den momentan besten Tagesgeld-Angeboten.

Mein Fazit: Die Rendite ist überschaubar, mit bösen Überraschungen muss man nicht rechnen, da Kursverluste nicht möglich sind und solche Produkte sogar unter die gesetzliche Einlagensicherung fallen.“

vergleichen.net: „Wenn es doch etwas mehr Rendite sein soll, allerdings ohne dabei gleich als „Zocker“ dazustehen: Wie sehen die Optionen in diesem Fall aus und was ist diesbezüglich zu beachten?“

Dr. Annabel Oelmann: Gerade wenn das Kind noch keine drei Jahre alt ist und die Laufzeit somit noch mehr als 15 Jahre beträgt, können Eltern und Großeltern in der Tat überlegen, ob ein kostengünstiger Aktienfonds nicht die sinnvollere Alternative ist. Hier gibt
es eine höhere Renditechance, die allerdings mit entsprechenden Kursrisiken
verbunden ist – denn Kurse können steigen oder fallen.

Wenn das Kind im Teenageralter ist, sollte man überlegen, in einer profitablen Börsensituation zu verkaufen und die letzten zwei, drei Jahre in sichere Geldanlagen zu wechseln – damit es zum 18. Geburtstag keine bösen Überraschungen wegen plötzlich einbrechender Kurse gibt.“

vergleichen.net: „Halten Sie die von vielen Gesellschaften angebotenen Ausbildungs- oder Aussteuerversicherungen für sinnvoll?“

Dr. Annabel Oelmann: „Versicherungen sind sinnvoll, um bestimmte Lebensrisiken abzusichern. Sie eignen sich aus unserer Sicht aber nicht für den Kapitalaufbau. Daher raten wir von solchen Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen ab. Denn diese sind in der
Regel mit hohen Kosten und geringer Flexibilität verbunden. Man darf sich auch
nicht von einer Garantieverzinsung blenden lassen – denn diese gilt nur für den
Sparanteil, nicht aber für den gesamten Beitrag.“

vergleichen.net: „Schlagen Eltern durch angebotene Kombiprodukte aus Risikovorsorge und Sparvorgang zwei Fliegen mit einer Klappe oder hat dieser Mix Nachteile?“

Dr. Annabel Oelmann: „Bei solchen Kombiprodukten überwiegen die Nachteile. Man belastet den Sparvorgang mit Abschluss- und Verwaltungskosten, was zulasten der Rendite geht. Risikovorsorge und Kapitalaufbau sollte man daher besser trennen, damit
die Rendite dem Kind zugutekommt und nicht der Versicherungsgesellschaft.“

Altersabschnitt: Zwischen Kita und Schule

Für viele Eltern ist spätestens der Zeitpunkt, ab dem das Kind Kita oder Kindergarten besucht, eine einschneidende Erfahrung, schließlich gibt man den Nachwuchs zum ersten Mal in die Obhut Fremder. Neben monatlichen Ausgaben, Essensgeld und Kita-Gebühren fangen die Kinder langsam aber sicher damit an, eigene Interessen zu entwickeln und schnuppern mitunter bereits das erste Mal ins Vereinsleben. Was müssen Eltern im Hinblick auf Absicherung und Vorsorge Ihres Nachwuchses in diesem Lebensabschnitt besonders berücksichtigen?

vergleichen.net im Gespräch mit Bianca Boss (BdV)

vergleichen.net: „Kinder werden in diesem Lebensabschnitt nicht nur aktiv, sondern entziehen sich durch den Besuch von Kita oder Kindergarten auch ein Stück weit der elterlichen Kontrolle. Muss das nach der Geburt geknüpfte Sicherheitsnetz ergänzt werden, beispielsweise durch eine Unfallversicherung, um Unfälle in Kita oder Kindergarten abzudecken?“

Bianca Boss: „Der privat abgeschlossene Versicherungsschutz steht auch in diesem Abschnitt keinesfalls zur Disposition. Gesetzliche Unfallversicherer übernehmen zwar eine Absicherung auf dem Weg zur Kita bzw. dann später in die Schule und während des eigentlichen Besuchs. Allerdings sollte sich kein Elternteil auf diese Leistungen verlassen. Zumal die private Unfallversicherung auch weltweit schützt – und rund um die Uhr. Eltern, die Angst vor einer Aufrechnung der Leistungen haben, können übrigens unbesorgt sein. Im Ernstfall leisten beide Versicherungen entsprechend der festgestellten Invaliditätsgrade.“

vergleichen.net: „Kinder übertreiben es beim Spielen hin und wieder und schnell geht des Nachbars Scheibe zu Bruch. Haften Eltern immer automatisch für die „Fehltritte“ ihrer Kinder bzw. was müssen Eltern hinsichtlich der Haftpflicht wissen?“

Bianca Boss: „Eltern und Kinder genießen in diesem Zusammenhang einen gewissen Schutz. Der Nachwuchs kann allgemein bis sieben Jahre bzw. im Straßenverkehr bis zehn Jahre nicht für Schäden gegenüber Dritten haftbar gemacht werden. Diese Deliktunfähigkeit kann nur durch die Verletzung der Aufsichtspflicht aufgehoben werden. Beispiel: Eine Mutter unterhält sich mit der Nachbarin und das Kind schnappt sich einen Stein, weil es des Nachbars Auto verschönern will. Durch das Beisein der Mutter wäre hier eine Verletzung der Aufsicht unwahrscheinlich – und damit würde eine Regulierung durch die Haftpflicht ausfallen.

Anders würde die Situation aussehen, wenn ich meine Kinder nach draußen schicke und sie über Stunden sich selbst überlasse. Hier ist die Aufsichtspflichtverletzung durchaus anzunehmen – und der Schaden wird auch ein Fall für die Haftpflichtversicherung. Allerdings sehen viele Eltern sich im Zusammenhang mit der Deliktunfähigkeit gewissermaßen in einer moralischen Falle. Schließlich will man mit der Nachbarschaft einen gewissen gepflegten Umgang pflegen.

Hierfür kann mit der Haftpflichtversicherung eine entsprechende Regelung getroffen werden, welche Schäden für die Deliktunfähigkeit – wenn auch mit Selbstbehalt - einschließt. Allerdings sollte an dieser Stelle darauf geachtet werden, dass die Versicherung keine allzu strengen Summenbegrenzungen für den entstehenden Schaden vorsieht.“

vergleichen.net: „Immer wieder wird Eltern der möglichst frühe Abschluss einer Zahnzusatzversicherung für den Nachwuchs empfohlen. Wie verhalten sich Eltern, die ihre Kinder absichern wollen, hier in Ihren Augen richtig?“

Bianca Boss: „Hierbei handelt es sich ganz klar um reine Luxusabsicherungen. Mit einer angemessenen Zahnpflege und Vorsorge lässt sich heute viel erreichen. Es ist hier durchaus angebracht, den behandelnden Zahnarzt mit zurate zu ziehen. Besteht die Gefahr, dass Zahnprobleme wahrscheinlich werden, kann auch mit kleinen Summen eine „Vorsorge“ angespart werden.

Gerade die Frage nach dem Abschlusszeitpunkt muss hier mit berücksichtigt werden. Ich halte es nicht für sinnvoll, schon früh im „Milchzahnalter“ die Zahnzusatzversicherung abzuschließen – auch wenn die Tarife schon hier Eltern angeboten werden. Es kann alternativ darüber nachgedacht werden, eine Krankenzusatzversicherung mit freier Klinikwahl oder ähnlichen Leistungen abzuschließen, um im Fall schwerer Erkrankungen optimale Behandlungsoptionen für das Kind ausschöpfen zu können.“

vergleichen.net im Gespräch mit Dr. Annabel Oelmann (Verbraucherzentrale NRW)

vergleichen.net: „Eltern und Großeltern, die heute schon an die Zeit nach der Schule denken, haben in der Vergangenheit oft zum Bausparvertrag gegriffen? Macht dieser Schritt heute noch Sinn?“

Dr. Annabel Oelmann: „Wenn das Kind noch jung ist, macht ein solcher Schritt nur Sinn, wenn der Bausparvertrag auch unter Berücksichtigung der Kosten eine attraktive Verzinsung für das angesparte Kapital bietet. Dies war beispielsweise vor zehn Jahren der
Fall, heute sind die Habenzinsen bei Bausparverträgen nicht mehr der Grund für
einen Abschluss. Der kann nur darin liegen, sich einen niedrigen Darlehenszins
zu sichern – das Argument zieht aber bei kleinen Kindern noch nicht. Denn auch
die Eltern oder Großeltern können nicht wissen, ob das heutige Grundschulkind in
zehn oder zwanzig Jahren mal Eigentum kaufen oder bauen will.“

Altersabschnitt: Von der Zuckertüte zur Abschlussprüfung

Mit der Einschulung ändert sich nicht nur für den Nachwuchs so einiges. Die Schule wirbelt den Alltag der ganzen Familie gründlich durcheinander. Nicht nur, dass man die Urlaubsplanung plötzlich an den Schulferien ausrichten muss. Häufig müssen die Kinder weite Wege bis zur Schule zurücklegen. Eltern sind nicht zu Unrecht um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt. Wer kommt für die Kosten eines Unfalls auf? Wie muss sich das Thema Sparen an die Veränderungen anpassen, schließlich wächst nicht nur der Nachwuchs, sondern auch dessen Wünsche werden größer?

vergleichen.net im Gespräch mit Dr. Annabel Oelmann (Verbraucherzentrale NRW)

vergleichen.net: „Heranwachsende im Schulalter entwickeln zunehmend eigene Wünsche. Erachten Sie den Verzicht auf das Taschengeld zugunsten einer höheren Sparrate fürs Kind als sinnvoll?“

Dr. Annabel Oelmann: „Hier kollidieren zwei berechtigte Interessen miteinander. Zum einen benötigt das Kind Geld, wenn es volljährig wird. Führerschein, Studium und/oder Ausbildung kosten viel Geld. Auf der anderen Seite müssen Kinder aber auch lernen, den Wert des Geldes zu schätzen und mit Geld umzugehen. Hierfür ist das in bar ausgezahlte Taschengeld unverzichtbar. Daher muss im Einzelfall abgewogen werden, wie das Kind das Zusammenspiel von Konsum und Sparprozess lernt, aber auch den notwendigen Geldbetrag für spätere Ziele anspart.“

vergleichen.net: „Wie wichtig sollte Eltern in diesem Lebensabschnitt ihres Kindes das Thema Finanzerziehung allgemein sein? “

Dr. Annabel Oelmann: „Finanzerziehung ist ein ganz wichtiges Thema. Kinder sollten im Elternhaus, aber auch in der Schule die notwendigen Kompetenzen vermittelt bekommen, um sich später als Erwachsener in der Finanzwelt zurechtzufinden. So ist es gerade in
jungen Jahren wichtig, dass die Kinder die Bedeutung des Sparens und des
Haushaltens mit dem Taschengeld lernen.“

vergleichen.net: „Heranwachsende wollen auch finanziell immer selbstständiger werden. Ab welchem Alter macht in Ihren Augen das eigene Konto Sinn und welche Bedingungen hat dieses zu erfüllen?“

Dr. Annabel Oelmann: „Spätestens wenn das Kind eine Ausbildung, ein Studium oder einen Ferienjob beginnt, braucht es ein eigenes Girokonto. Ansonsten kann ein Girokonto ab dem 14. Lebensjahr sinnvoll sein, da Kinder nicht nur den Umgang mit Bargeld, sondern
auch die bargeldlosen Formen kennenlernen müssen. Das Girokonto sollte für Minderjährige, Auszubildende oder Studenten in jedem Fall kostenlos ein. Ein Sparbuch kann schon viel eher sinnvoll sein, auch schon bei kleinen Kindern. Denn mit dem Sparbuch lernen sie die Wirkung von Ein- und Auszahlungen sowie die Bedeutung von Zinsen.“

vergleichen.net im Gespräch mit Bianca Boss (BdV)

vergleichen.net: „Kinder machen spätestens jetzt erste Erfahrungen mit dem Vereinsleben. Ob Jugendfeuerwehr, Sportclub oder Tanzverein, müssen Eltern hier separate Versicherungen abschließen?“

Bianca Boss: „Im Bereich der Vereinsversicherung fehlt mir leider teilweise der tiefere Einblick, da mein Kerntätigkeitsfeld den privaten Versicherungsbereich umreißt. Unfälle sind im Zusammenhang mit Vereinen meines Wissens nach nicht ausreichend gedeckt, was den privaten Unfallschutz auch hier stärker in den Mittelpunkt rücken lässt. Zumal die Unfallversicherung parallel zu den schon genannten Lebensbereichen auch hier voll zum Tragen kommt. Absicherungsfragen beim Besuch der Vereine sind stark von individuellen Rahmenbedingungen abhängig – auch in Bezug auf die Frage, welche Vorsorgemaßnahmen die Vereine im Detail für ihre Mitglieder ergreifen.“

vergleichen.net: „Gerade in Stadtlagen ist es keine Besonderheit, dass Kinder den Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegen. Leider sind sich auch Langfinger dessen bewusst. Versicherer versprechen Abhilfe – mit Fahrraddiebstahlversicherungen. Was halten Sie davon?“

Bianca Boss: „Generell handelt es sich hier um kein existenzielles Risiko, das es unbedingt abzusichern gilt. Erschwerend kommt aus meiner Sicht ein weiterer Sachverhalt hinzu: Es reichen meist wenige Schadensfälle aus, um den Versicherer zum Instrument der Kündigung greifen zu lassen. Man muss die Fahrraddiebstahlversicherungen aus unserer Sicht daher nicht unbedingt abschließen.“

vergleichen.net: „Kinder entdecken im Altern zwischen 6 Jahren bis zur Pubertät nicht nur neue Hobbys, sondern wünschen sich oft auch ein Haustier. Müssen Eltern im Hinblick auf die Absicherung hier Besonderheiten im Auge behalten?“

Bianca Boss: „Wenn ich meinem Kind einen Hund oder ein Pferd unter den Weihnachtsbaum lege, sollte ich aufgrund der Risiken, welche mit der Haltung verbunden sind, auch für eine angemessene Absicherung sorgen. Denn die Haltung von Haustieren, die nicht mehr als Kleintiere – wie Hamster oder Katze – gelten, ist in die Privathaftpflichtversicherung nicht mit eingeschlossen.

Jedem Halter muss darüber hinaus klar sein, dass Haustiere krank werden können. Viele Familien vergessen diesen Aspekt leider und lassen die Kosten hierfür außer Acht. Trotzdem sind wir nicht automatisch Verfechter entsprechender OP- oder Krankheitskostentarife. Oft leisten sich Halter keine eigene Privathaftpflicht, wollen Haustiere aber gegen Krankheiten absichern. Hier fehlt jede Verhältnismäßigkeit.

Als angehender Haustierhalter muss man sich einfach über die möglicherweise entstehenden Kosten im Klaren sein und kann Kapital beispielsweise privat zur Seite legen“.

vergleichen.net: „Kinder und Jugendliche sind im Rahmen von Klassenfahrten und Jugendfreizeiten mitunter auch im Ausland unterwegs. Was bedeutet dies für die Eltern?“

Bianca Boss: „Sobald es ins Ausland geht, sollte die Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen werden. Leider wird man im Ausland schnell als Privatpatient angesehen. Die gesetzlichen Krankenkassen decken aber nur Behandlungskosten, wie sie auch im Inland anfallen würden. Zudem ist der medizinisch notwendige Rücktransport hier gar nicht abgesichert. Sofern die Auslandskrankenversicherung noch nicht besteht, sollte sie jetzt abgeschlossen werden. Haftpflichttarife und Unfallversicherung gelten dagegen meist per se europaweit bzw. zeitlich begrenzt weltweit. Hier muss meist nicht nachjustiert werden.“

Altersabschnitt: Lehre, Studium und eigener Haushalt

Diesem Augenblick sehen Eltern mit gemischten Gefühlen entgegen: Der Nachwuchs wird flügge und steht mit dem Abschlusszeugnis in der Tasche plötzlich am Beginn der beruflichen Selbstständigkeit. Viele junge Erwachsene schlagen den Weg des Studiums ein und streben vielleicht sogar eine akademische Laufbahn an. Aber auch eine handwerkliche Ausbildung wird zur Herausforderung – sowohl für den Nachwuchs als auch für die Eltern, schließlich sitzen diese beim Thema Absicherung oft immer noch mit im Boot.

vergleichen.net im Gespräch mit Bianca Boss (BdV)

vergleichen.net: „Für Ausbildung und Studium verlassen Kinder heute oft die Wohnung der Eltern. Angesichts der begrenzten finanziellen Mittel in dieser Zeit fällt es dem Nachwuchs entsprechend schwer, einen adäquaten Versicherungsschutz fürs Zimmer im Wohnheim oder der WG aufzuspannen. Mit welchen Tricks greifen Eltern ihren Kindern hier unter die Arme?“

Bianca Boss: „Über die Privathaftpflichtversicherung sind Kinder meist bis zum Ende des 27. Lebensjahres oder zum Ende der 1. Ausbildung mitversichert. Hier gilt es aber Besonderheiten zu beachten. Einige Versicherer schreiben etwa das Zusammenleben im Haushalt der Eltern vor, was hier nicht immer erfüllt werden kann. Es ist sinnvoll, den Sachverhalt schriftlich mit dem Versicherer zu klären.

Über die Außenversicherung kann das Wohnheimzimmer in die Hausratversicherung der Eltern eingeschlossen sein. Sobald der Nachwuchs allerdings einen eigenen Hausstand gründet (kann bereits mit der WG-Gründung erfüllt sein), greift dieser Schutz nicht mehr. Hier wäre dann eine eigene Hausratversicherung abzuschließen. In Anbetracht der mitunter doch recht überschaubaren Einrichtung – das Hochwertige ist oft der Laptop - muss dieser Schritt abgewogen werden, es handelt sich auch hier eigentlich um kein existenzielles Risiko.“

vergleichen.net: „Während Ausbildung oder Studium so schwer krank, dass an die Ausübung des Berufs nicht mehr zu denken ist – ein Horrorszenario für Eltern. Welche Tipps haben Sie für Eltern, die mit ihren Kindern nach geeigneten Möglichkeiten zur Vorsorge suchen?“

Bianca Boss: „Ich würde bereits früh mit der Absicherung beginnen. Der Schutz ist teilweise bereits ab dem 15. oder 16. Lebensjahr möglich. Ein später Abschluss kann durch die Gesundheitsfragen schwierig werden, da bereits Kleinigkeiten für eine Ablehnung oder den Leistungsausschluss reichen. Ich würde schon bei Auszubildenden oder Studenten zu einer Absicherung der Erwerbsfähigkeit – entweder durch die Erwerbsunfähigkeitsversicherung mit Nachversicherungsoption für den BU-Schutz oder die Berufsunfähigkeitsversicherung – raten.

In diesem Zusammenhang würde ich die vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn auch mit eingeschränkten Leistungshöhen für die Zeit der Ausbildung, dem Erwerbsunfähigkeitsschutz mit Erweiterungsoption vorziehen. Nach Abschluss der Ausbildung sollte der Versicherungsschutz dann einfach ans Einkommen angepasst werden.“

vergleichen.net im Gespräch mit Dr. Annabel Oelmann (Verbraucherzentrale NRW)

vergleichen.net: „Eltern wollen ihre Kinder auch nach dem Ende der Schule weiter finanziell unterstützen und zu deren Vorsorge betragen, insbesondere wenn Ausbildungsvergütung oder der Verdienst aus dem Nebenjob noch keine großen Sprünge erlauben. Halten Sie den Abschluss einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung für noch zeitgemäß? Oder wäre der Bausparvertrag jetzt eine Alternative?“

Dr. Annabel Oelmann: „Von einem Abschluss von Kapitallebensversicherungen raten wir grundsätzlich ab, weil man Absicherung und Ansparprozess trennen sollte. Auch Rentenversicherungen machen bei jungen Menschen keinen Sinn. Denn wenn jemand knapp 20 Jahre alt ist, sind viele Dinge im beruflichen und privaten Bereich noch im Fluss, so dass unmöglich abgeschätzt werden kann, ob langfristige Verträge überhaupt Sinn
machen. Dies heißt nicht, dass man nicht sparen sollte – nur eben nicht in
Kapitallebensversicherungen oder Rentenversicherungen.

Ein Bausparvertrag kann Sinn machen, wenn der junge Mensch schon weiß, dass er in ein paar Jahren kaufen oder bauen will. Oder wenn er sich staatliche Förderungen wie die
Arbeitnehmersparzulage, die Wohnungsbauprämie und/oder die Riesterzulage sichern
kann und will.“

Unsere Experten

Dr. Annabel Oelmann, Finanzexpertin

Frau Dr. Annabel Oelmann – ihres Zeichens Wirtschaftsjuristin – verschreibt sich seit 2004 Fragestellungen rund um Wirtschaftsrecht und Finanzprodukte. Stationen wie die Fachhochschule Osnabrück und das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung haben Frau Oelmann die notwendige Kompetenz für ihre Tätigkeit als Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen (seit 2009) der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit auf den Weg gegeben. Zu Schwerpunkten ihres Engagements im Zeichen des Verbraucherschutzes gehören der Zahlungsverkehr, Geldanlagen, die Altersvorsorge sowie Immobilienfinanzierung und Versicherungen. In dieser Position vertritt Frau Dr. Oelmann auch öffentlich die Interessen der Verbraucher und ist ein Gesicht, das viele Haushalte auch aus den Medien (Print und TV) kennen.


Bianca Boss, Pressereferentin BdV

Die Pressereferentin des BdV ist Jahrgang 1977 und hat den Bund der Versicherten e. V.  über fast zwei Drittel seines Bestehens begleitet. Ihre Karriere begann die Versicherungsbetriebswirtin (DVA) beim weltgrößten Versicherer – der Allianz. Seit knapp 20 Jahren ist Frau Boss für den BdV tätig und hat damit einen wesentlichen Teil ihrer zurückliegenden beruflichen Laufbahn den Interessen der Versicherten gewidmet. Seit acht Jahren betreut Bianca Boss den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Der BdV: Mit dem Bund der Versicherten e. V. (BdV) entstand 1982 eine Organisation, die ihren Grundprinzipien bis heute treu geblieben ist. Der BdV sieht die unabhängige Vertretung der Versichertenrechte und seine Rolle als Gegengewicht zur Versicherungslobby als Hauptaufgabe an. Obwohl in der Vergangenheit wiederholt mit widrigen Umständen konfrontiert, ist der BdV in seiner Bedeutung zunehmend gewachsen und hat inzwischen eine Mitgliederzahl von 52.000 erreicht. Zu den bekannten Gesichtern des BdV gehört Vorstandssprecher Axel Kleinlein – als Mathematiker und ehemaliger Versicherungs-Aktuar ein Kenner der Branche.


Vorschaubild Babyfüße © inarik - Fotolia.com


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